Die CD Hang On To Your Dream                      CD bestellen

coverFünf Jahre lagen zwischen "No Matter Of Age" (ein Motto, das auch heute noch mehr denn je gilt) und dem letzten Schluff Jull-Album "Colors For Your Ears". Vier weitere sind seit diesem vergangen. Mit "Hang On To Your Dream" veröffentlicht die zehnköpfige Groove/Jamrock–Bigband aus dem niederrheinischen Viersen ihr neustes Werk, das wie gewohnt vom handwerklichen, musikalischen Können wie vom Mut zur Improvisation lebt. Das Ausharren dürfte sich gelohnt haben, die gespannte Vorfreude der Fans voll befriedigt werden. Wahre Künstler unterwerfen sich eben nicht den oft wie Naturgesetzen postulierten ökonomischen Marktgesetzen. Sie legen Kostproben ihres Talentes erst dann vor, wenn diese ausgereift und den eigenen Qualitätsansprüchen genügen. Dies kann versprochen werden, der Rest ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die Referenz- und Orientierungspunkte dieser für Deutschland so außergewöhnlichen, weil stilistisch frappierend vielseitigen Band wurden schon mehrmals genannt: Die fließenden, wie von Zauberhand hingetupften Sechssaitenläufe der Grateful Dead und die vorwärtstreibenden Klassiker der Allman Brothers und artverwandter Heroen des Southern-Rock, wobei Schluff Jull eine ganz spezifische, von ihnen selbst entdeckte Schnittstelle zwischen der Leichtigkeit der Westküste und dem sinister–brodelnden Stilmix archaischer Musikformen des amerikanischen Südens auslotet. Genau dies ist es, was die Band davor bewahrt, auf dem Level von Epigonen stehen zu bleiben. Dann The Band natürlich, eine würzige Prise Latin (damit die dreiköpfige Bläsersektion auch gebührend zur Wirkung kommt) und schließlich all die jüngeren Truppen, die seit geraumer Zeit in der Schublade Jam-Rock abgelegt werden: The Dave Matthews Band, Widespread Panic, Gov't Mule, Blues Traveler oder Phish.

Solche Vorbilder legen die Messlatte natürlich extrem hoch. Die Dead, die Allmans oder The Band, wer mag sie nicht. Wer sich mit dem eigenen musikalischen Schaffen in diese Gefilde vorwagt, muss, um mehr zu ernten als nur ein paar Sympathiepunkte für guten persönlichen Geschmack, zunächst einmal auf seinem Instrument und als Komponist etwas können, was ja unter den heute gängigen Produktionsbedingungen von Populärmusik keine Selbstverständlichkeit ist. Und er sollte, um glaubwürdig zu sein, auch über eine gewisse Lebenserfahrung und Reife verfügen, so etwas wie eine Biografie haben und ein gelebtes Leben mit einer bestimmten Art von Musik. Von einem Foto des Booklets schauen einen zehn doch schon betagtere Herren an, die übrigens alle einem bürgerlichen Beruf nachgehen, und man erkennt sofort, dass an ihnen schon so mancher Trend, so manche kurzlebige Mode der Popmusik der letzten Dekaden vorbeigegangen ist, ohne Spuren zu hinterlassen. Hier musizieren also keine Halbwüchsigen für ihresgleichen. Diese, von Solidität und dem Wissen, wo man im kulturellen Leben verankert ist, geprägte Haltung hat die Mitglieder der Band ihre Ideallinie und eine innere Ruhe im Wechselspiel von Individuum und Kollektiv finden lassen. Nichts belegt dies eindrucksvoller, als die Tatsache, dass "Heartlines", ihr erstes, vor 14 Jahren bei Taxim erschienenes Album der Mitschnitt eines Konzerts war, das 1995 zum zehnjährigen Jubiläum der Band stattgefunden hat. Wer einen so langen Anlauf nimmt, bevor er überhaupt sein Debüt veröffentlicht, muss sich auf einer sehr, sehr soliden Plattform bewegen.

Nur drei der elf Titel sind länger als 5 Minuten. Kenner der Band wissen aber, dass in der Bühnenversion daraus schnell die doppelte Spielzeit und mehr werden kann. Ein cleverer Zug ist es, das vermeintlich radiofreundlichste Stück, den kontrolliert vorwärtsgaloppierenden und vom markant kernigen Gesang Olaf Kalembas geprägten "Jull's Boogie" als Opener gewählt zu haben, nur steht leider zu befürchten, dass in der heutigen Verblödungslandschaft Hörfunk dennoch kaum ein Sender zugreifen wird. Mit der delikaten Ballade "Signs of Life" (die an Boz Scaggs erinnert und bei der erstmals die Bläser dominieren), dem aufwühlenden "Thunderstorm And Me" (dessen Orgelintro das von Dylans "Like a Rolling Stone" zitiert) und dem funkigen Groover "Won't Be Your Fool" (der die frühe Average White Band in Erinnerung ruft) fächern Schluff Jull dann ihre Stilvielfalt in beeindruckender Manier auf - wobei wichtig ist zu betonen, dass sie sich weniger einer Genrezuordnung verweigern und dabei in Beliebigkeit verlieren als diverse Genres einfach auf hohem Niveau bedienen. Obwohl die Band auf diesem Album nie die durcharrangierte Struktur eines Songs aus den Augen verliert, bieten sich die filigranen Soundteppiche von "Sad, So Sad" und "Like Rain" als Startrampe für ausgreifende Jams an.

Die Musik auf "Hang On To Your Dream" ist "made in Germany", klingt aber authentisch amerikanisch. Erstaunlicherweise empfindet man das nicht als Widerspruch. Oft kam ein solcher Gesamteindruck in den letzten 40 Jahren deutscher Rockmusik-Geschichte nicht vor. Bei Frumpy vielleicht, bei Improved Sound Limited und den frühen Lake. Mehr Namen fallen einem kaum ein. 



MP3-HÖRPROBEN:

STRANGERS DREAM

LIKE RAIN

WON´T BE YOUR FOOL



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